Was kostet eine 24-Stunden-Betreuung 2026?
1. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit
Wer einen Angehörigen zu Hause betreuen lassen möchte, stellt sich früh die Frage nach den Kosten. Eine 24-Stunden-Betreuung, bei der eine Betreuungskraft mit im Haushalt lebt, ist für viele Familien eine bezahlbare Alternative zum Pflegeheim – aber sie ist kein Schnäppchen, und das sollte sie auch nicht sein. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie sich die Kosten zusammensetzen, welche Faktoren den Preis beeinflussen und welche Zuschüsse Sie nutzen können. Alle Beträge geben den Stand 2026 wieder und sollten jährlich geprüft werden.
Mit welchen Kosten Sie rechnen sollten
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil jede Betreuungssituation anders ist. Als grobe Orientierung gilt: Für eine legale 24-Stunden-Betreuung im Entsendemodell liegen die monatlichen Kosten am Markt häufig etwa zwischen 2.500 und 4.000 Euro, je nach Betreuungsbedarf, Sprachkenntnissen der Betreuungskraft und Region. In Einzelfällen kann der Betrag auch darüber liegen.
Hinzu kommen Kosten, die oft vergessen werden:
- Kost und Logis: Die Betreuungskraft wohnt mit im Haushalt und wird verpflegt. Sie stellen ein eigenes Zimmer und übernehmen die Lebensmittel.
- Reisekosten: Für An- und Abreise beim Wechsel der Betreuungskraft fallen je nach Vereinbarung zusätzliche Kosten an.
- Nebenkosten: Etwas höhere Ausgaben für Strom, Wasser und Internet.
Eine individuelle Einschätzung für Ihre Situation erhalten Sie mit unserem Kostenrechner.
Wovon der Preis abhängt
Betreuungsbedarf
Je mehr Unterstützung nötig ist, desto anspruchsvoller ist die Aufgabe. Eine rüstige Seniorin, die vor allem Gesellschaft, Hilfe im Haushalt und Begleitung zu Terminen braucht, stellt andere Anforderungen als ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz, der auch nachts Unterstützung benötigt.
Deutschkenntnisse
Betreuungskräfte mit guten Deutschkenntnissen sind gefragt und entsprechend teurer. Ob sehr gute Sprachkenntnisse nötig sind, hängt davon ab, wie viel Kommunikation im Alltag anfällt – etwa mit Ärzten, Behörden oder dem ambulanten Pflegedienst.
Erfahrung und Qualifikation
Erfahrung mit Demenz, mit Menschen mit Behinderung oder mit Mobilitätseinschränkungen wirkt sich ebenfalls auf den Preis aus.
Nachtbereitschaft und Zusatzaufgaben
Muss die Betreuungskraft regelmäßig nachts aufstehen, ist das eine zusätzliche Belastung, die sich im Preis niederschlägt. Dasselbe gilt, wenn zwei Personen im Haushalt betreut werden.
Warum seriöse Betreuung ihren Preis hat
Legale 24-Stunden-Betreuung muss sich an Regeln halten, und diese Regeln kosten Geld. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 13,90 Euro pro Stunde, ab dem 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 Euro. Er gilt auch für Betreuungskräfte, die von einer Firma aus einem anderen EU-Land nach Deutschland entsandt werden.
Das Bundesarbeitsgericht hat mit Urteil vom 24. Juni 2021 (Az. 5 AZR 505/20) entschieden, dass auch Bereitschaftszeiten einer entsandten Betreuungskraft mit dem Mindestlohn zu vergüten sind. Hinzu kommen Sozialversicherungsbeiträge im Heimatland, Verwaltung, Organisation der Wechsel und die Vermittlung.
Angebote, die deutlich unter der üblichen Marktspanne liegen, sollten Sie deshalb kritisch prüfen. Häufig steckt dahinter Schwarzarbeit oder Scheinselbstständigkeit – mit rechtlichen Risiken auch für die Familie. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Entsendung, A1 und Mindestlohn.
Wie sich die Kosten bei Betreuja zusammensetzen
Betreuja ist Vermittler. Wir bringen Familien und passende Betreuungskräfte zusammen und organisieren die Wechsel, damit keine Lücken entstehen. Arbeitgeber der Betreuungskraft ist eine Partnerfirma mit Sitz in der EU. Sie zahlt den Lohn, führt die Sozialversicherung ab und stellt die A1-Bescheinigung aus.
Für Sie bedeutet das: Sie erhalten eine Rechnung der Partnerfirma für die Betreuungsleistung, Betreuja erhält für die Vermittlung eine Provision. Konkrete Beträge hängen von Ihrer Situation ab – im Kostenrechner sehen Sie, mit welcher Größenordnung Sie rechnen können.
Welche Zuschüsse die Kosten senken
Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten einer 24-Stunden-Betreuung nicht direkt. Es gibt aber mehrere Leistungen, die einen spürbaren Teil abfedern können, sofern ein Pflegegrad vorliegt.
| Leistung | Betrag (Stand: 2026) | Hinweis |
|---|---|---|
| Pflegegeld Pflegegrad 2 | 347 € / Monat | frei verwendbar |
| Pflegegeld Pflegegrad 3 | 599 € / Monat | frei verwendbar |
| Pflegegeld Pflegegrad 4 | 800 € / Monat | frei verwendbar |
| Pflegegeld Pflegegrad 5 | 990 € / Monat | frei verwendbar |
| Entlastungsbetrag | 131 € / Monat | nur für anerkannte Angebote nach § 45b SGB XI |
| Verhinderungs- und Kurzzeitpflege | 3.539 € / Jahr | gemeinsamer Jahresbetrag seit 1.7.2025 |
Bei Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld. Der Entlastungsbetrag kann in der Regel nicht direkt für die Vermittlung einer 24-Stunden-Kraft eingesetzt werden, wohl aber etwa für einen anerkannten Alltagshilfe-Dienst oder Leistungen eines zugelassenen Pflegedienstes. Ausführlich erklären wir die Leistungen im Ratgeber Was zahlt die Pflegekasse bei 24h-Betreuung?.
Steuerermäßigung nach § 35a EStG
Zusätzlich können Sie Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen sowie Pflege- und Betreuungsleistungen steuerlich geltend machen. Das Finanzamt erkennt 20 Prozent der Aufwendungen an, höchstens jedoch von 20.000 Euro. Die Steuerermäßigung beträgt also maximal 4.000 Euro pro Jahr und wird direkt von der Steuerschuld abgezogen.
Wichtig dabei:
- Begünstigt ist nur der Lohnanteil, nicht etwa Reise- oder Materialkosten.
- Sie benötigen eine ordnungsgemäße Rechnung.
- Die Zahlung muss per Überweisung erfolgen, Barzahlungen werden nicht anerkannt.
Ob und in welcher Höhe Sie die Ermäßigung nutzen können, klären Sie am besten mit Ihrer Steuerberatung.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel
Angenommen, eine Betreuung kostet monatlich 3.200 Euro, und die betreute Person hat Pflegegrad 3. Dann steht ein Pflegegeld von 599 Euro zur Verfügung. Wird zusätzlich die Steuerermäßigung voll ausgeschöpft, entspricht das umgerechnet bis zu rund 333 Euro im Monat. Die tatsächliche Belastung kann damit deutlich unter dem Rechnungsbetrag liegen. Dieses Beispiel ist bewusst vereinfacht und ersetzt keine individuelle Berechnung.
Kosten im Vergleich zum Pflegeheim
Ein direkter Vergleich ist schwierig, weil die Leistungen unterschiedlich sind. Im Pflegeheim tragen Bewohnerinnen und Bewohner neben dem Pflegeanteil auch Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten selbst; der Eigenanteil ist je nach Bundesland und Einrichtung sehr unterschiedlich. Bei der 24-Stunden-Betreuung bleibt der Mensch in seiner vertrauten Umgebung und hat eine feste Bezugsperson. Für viele Familien ist genau das entscheidend – unabhängig davon, welche Variante am Ende günstiger ist.
Was bei medizinischem Bedarf hinzukommt
Betreuungskräfte unterstützen im Alltag und bei der Grundpflege. Medizinische Behandlungspflege, etwa Wundversorgung oder Injektionen, gehört nicht zu ihren Aufgaben. Dafür ergänzen Sie einen ambulanten Pflegedienst. Behandlungspflege nach § 37 SGB V wird auf ärztliche Verordnung erbracht und von der Krankenkasse bezahlt. Pflegesachleistungen der Pflegekasse sind nur über zugelassene Pflegedienste abrechenbar.
Nächste Schritte
- Berechnen Sie mit dem Kostenrechner eine erste Orientierung für Ihre Situation.
- Lesen Sie, wie die Vermittlung abläuft und warum unser Modell rechtssicher ist.
- Bereiten Sie sich mit unserer Checkliste zur Ankunft der Betreuungskraft vor.
- Stellen Sie eine unverbindliche Anfrage – wir melden uns persönlich bei Ihnen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Pflegeberatung. Beträge: Stand 2026, ohne Gewähr.
